2025 war ein Rekordpleitenjahr für die Wiener Wirtschaft

Rekordpleitenjahr für die Wiener Wirtschaft

Gerade erst hat die Stadt Wien eine massive Gebührenerhöhung auf den Weg gebracht, schon droht der Bundeshauptstadt eine neue Hiobsbotschaft. Das Vorjahr entwickelte sich für die lokale Wirtschaft zu einem Rekordpleitenjahr. Das wird die Wiener Stadtregierung am Rathausplatz mittelfristig in ihren Steuereinnahmen spüren, sollte es ihr nicht gelingen, das Ruder herumzureißen.

Zahlreiche Baustellen für die Wiener Politik

Doch die Herausforderungen sind groß, schließlich befinden sich die Wiener Schulden auf einem Rekordniveau. Dazu kommt der Streit mit den Nachbarn Niederösterreich und Burgenland um das Thema Gastpatienten in Wiener Spitälern. Von der Bundesregierung, deren Bestandteil die regierende SPÖ ist, kommt vorerst ebenfalls wenig Hilfe in Form von Strukturreformen.

Daneben bleibt die Inflation in Österreich anhaltend hoch. Mit einem Wert von 3,6 Prozent liegt diese deutlich über dem Wert der Eurozone, die im Vorjahr Preissteigerungen von 2,2 Prozent zu verkraften hatte. Unter diesen wirtschaftlichen Voraussetzungen kommt die Wiener Pleitewelle so ungelegen wie nur möglich.

Die Zahl der Firmen ohne Vermögen stieg dramatisch

Dabei weist die Statistik für Wien eigentlich einen Rückgang der Insolvenzen aus. Doch der Teufel steckt wie so oft im Detail. Schließlich ist die Zahl jener Unternehmen, die mangels Vermögen kein Insolvenzverfahren anstreben können, deutlich gestiegen. In Summe ergibt sich so ein Rekordpleitenjahr für die Wiener Wirtschaft.

Die Zahl der Wiener Insolvenzverfahren sank im Vorjahr zwar von 1.519 auf 1.469, doch die Zahl ist nicht länger aussagekräftig. Immerhin weist die Statistik in jenen Fällen, in denen die Firmen mangels Vermögen sich nicht mehr in ein Insolvenzverfahren retten konnten, einen dramatischen Anstieg auf. Das passiert von Seiten des Handelsgerichts jedoch nur dann, wenn das betreffende Unternehmen nicht einmal mehr Vermögenswerte in Höhe der Kosten des Verfahrens vorzuweisen hat. Das sind jedoch „nur“ 4.000 Euro.

50 % schaffen kein Insolvenzverfahren mehr

2025 wurde bereits jedes zweite Unternehmen abgewiesen. Die Zahl dieser Abweisungen explodierte um 28,45 % auf 1.228. Das trifft nicht nur die Firmen, sondern auch ihre Gläubiger hart. Schließlich ist damit der Weg einer erfolgreichen Sanierung und Bedienung der Schulden ausgeschlossen.

Summiert man also beide Zahlen von in wirtschaftlichen Turbulenzen befindlichen Firmen, dann kommt man in Wien auf 2.697 Pleiten im Jahr 2025. Das ist ein Anstieg von 9 Prozent. Wien befindet sich damit in „guter Gesellschaft“, schließlich stieg in Gesamtösterreich die Zahl der Firmenpleiten um satte 8 Prozent.

Freiwilliger Verzicht auf Steuereinnahmen

Für Wien zeigen sich damit große Herausforderungen. Es gilt nicht nur die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, sondern auch wirtschaftliche Anreize zu setzen, um die Unternehmen zu stärken und zu fördern. Doch das gilt nicht für alle Branchen. Wien hat bereits vor zehn Jahren einen Kurs eingeschlagen, der das Glücksspiel aus der Stadt zurückdrängen soll.

Dies soll jetzt auch im Zuge der Reform des österreichischen Glücksspielgesetzes seinen Niederschlag finden. Nicht umsonst findet sich im Entwurf zum neuen Gesetz keine Lizenz für die sogenannten Video Lottery Terminals mehr. Diese sind inhaltlich wie optisch kaum von herkömmlichen Spielautomaten zu unterscheiden und haben das Verbot von Slots in Wien bisher unterlaufen.

Ähnlich restriktiv möchte die SPÖ jetzt auch beim Online-Glücksspiel vorgehen und das bestehende Monopol trotz aller Kritik verlängern. Wenn Österreicher eine Auswahl an Casinos mit Echtgeld Bonus finden möchten, müssen sie schon jetzt zu ausländischen Anbietern ausweichen. Diese möchte die SPÖ zukünftig mithilfe technischer Maßnahmen vom Markt aussperren und freiwillig auf weitere, dringend benötigte Steuereinnahmen verzichten.

Handel und Bau kämpfen mit Problemen

Dabei wären finanzielle Mittel jetzt dringend vonnöten, um die schwächelnde Wirtschaft wieder anzukurbeln. In Wien hat sich besonders der Zusammenbruch einiger Immobilienkonzerne bemerkbar gemacht. Nicht nur René Benkos Signa prägte dabei das Bild der letzten Jahre, sondern auch einige seiner lokalen Konkurrenzen.

Diese wurden vom Anstieg der Kreditfinanzierungskosten überrascht und konnten ihre Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen. In einer Branche, die sehr viel mit Fremdkapital arbeitet, ist dies naturgemäß fatal. Die größten Insolvenzen finden sich dabei bei Teilen des Signa-Konzerns und beim Wiener Immobilienentwickler Süba AG.

Betrachtet man die Auswirkungen der Pleiten anhand der betroffenen Arbeitnehmer, dann liegt das Unternehmen Quester ganz vorne. 314 Mitarbeiter waren von dessen Problemen betroffen. Doch auch das Personalmanagement-Unternehmen Atlas und die Ronex Bau GmbH mussten viele Mitarbeiter freisetzen. Nach der Zahl der Firmenpleiten liegt jedoch die Handelsbranche vorn. Dahinter folgen der Bau, das Grundstücks- und Wohnungswesen sowie die Gastronomie.

Zumindest die Zahl der Gesamtpassive ist im Vergleich zu 2024 gesunken. Betrug diese Zahl im Jahr zuvor noch 8,10 Milliarden Euro, so sank sie 2025 auf nur noch 6,64 Milliarden Euro. Für das gerade erst begonnene Jahr 2026 rechnen Experten mit einer leichten Beruhigung der Lage. Sie glauben an weniger Insolvenzverfahren und Ablehnungen.

Doch für Optimismus ist es noch zu früh. Die am Horizont erkennbare leichte wirtschaftliche Erholung ist noch ein zartes Pflänzchen. Wirtschaftspolitische Unsicherheiten und die Weltlage könnten alle Prognosen neuerlich über den Haufen werfen. Zu viele globale Unsicherheiten prägen weiterhin das Bild. Das stellt hauptsächlich die Exportindustrie vor große Herausforderungen. Der private Konsum kämpft hingegen weiterhin mit der hohen Inflation.


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