Ein Krügerl um 5,90 Euro und die neue Rechnung für den Abend in Wien

Kosten eines Abends in Wien

Im Schweizerhaus im Prater kostet das Krügerl Budweiser Budvar auch in der Saison 2026 wieder 5,90 Euro, unverändert seit 2024, begründet mit Investitionen in die Technik und einem Brauerei-Jubiläum, nicht mit gesunkenen Kosten. Anderswo in der Stadt fällt die Rechnung höher aus, denn Restaurants und Cafés sind nach Zahlen der Statistik Austria zuletzt stärker teurer geworden als der Warenkorb insgesamt. Für viele endet die Abwägung zwischen Lokal und Sofa deshalb beim Sofa.

Der Praterbetrieb der Familie Kolarik sperrt am 15. März auf und bleibt bis 31.Oktober täglich von 11 bis 23 Uhr geöffnet. Über den Winter kamen energieeffiziente Küchengeräte, die Ausgabestation wurde erneuert. Gekommen wird für die Stelze, die Erdäpfelpuffer und das gezapfte Budvar, ausgeschenkt im größten Gastgarten des Landes mit gut 1.400 Plätzen allein im Freien. Rund 180 Beschäftigte halten den Betrieb über die Saison, und zum hundertsten Jahr der Partnerschaft mit der tschechischen Brauerei soll ab April ein eigenes Jubiläumsbier laufen, solange der Vorrat reicht.

Was Kino und Krügerl an einem Abend zusammenrechnen

Ein paar Getränke, eine Kinokarte, davor vielleicht ein Teller, und der Abend ist zweistellig, in Summe oft deutlich darüber. Dass das Krügerl im Schweizerhaus stabil bleibt, hat einen eigenen Nachrichtenwert, und der Standard widmete der Frage, wo in Wien die Sechs-Euro-Marke beim Bier fällt, im März 2026 einen ganzen Beitrag.

Die Österreichische Nationalbank beschreibt die Gegenbewegung in ihrem Konjunkturbericht. Real gewachsen sind seit Beginn der Rezession nur zwei Ausgabenbereiche, Wohnen und Freizeit, und das bei gleichzeitig steigender Sparquote. Was vom Freizeitbudget bleibt, sucht sich günstigere Wege, und die führen oft nicht weiter als ins eigene Wohnzimmer.

Vom Streaming-Abo zur Online-Walze im selben Tab

Ein Netflix-Abo im Standardtarif kostet in Österreich 13,99 Euro im Monat, weniger als ein einziger Abend mit Kino und zwei Getränken. Übersichtlich ist der Markt für das Online-Glücksspiel daneben nicht, denn eine nationale Konzession besitzt nur ein einziger Betreiber, während sich zahlreiche im Ausland lizenzierte Seiten an österreichische Nutzer wenden. Wer da vergleichen will, findet etwa Online Slots auf casino.at, einem Vergleichsportal, das Anbieter und Spiele auflistet, selbst aber kein Spiel betreibt und keine österreichische Lizenz braucht. Erreichbar ist all das rund um die Uhr, auf demselben Gerät, das eben noch die Serie gestreamt hat, nur einen Tab entfernt.

Im Palais Esterházy beginnt der Abend mit einer Ausweiskontrolle

Die Variante mit Türsteher steht in der Kärntner Straße 41, im Palais Esterházy, dem ältesten Haus der Einkaufsmeile und nur ein paar Schritte vom Stephansdom entfernt. Das Casino Wien ist eines von zwölf Häusern der Casinos Austria, tagsüber zieht die Adresse Schaufensterbummler an, hinter den oberen Fenstern wird gespielt. Hinein kommt nur, wer volljährig ist und einen Lichtbildausweis vorzeigt. Im Erdgeschoss stehen die Automaten, eine Etage höher die Tische, und ein ÖBB-Kombiticket bündelt Eintritt, Begrüßungsjetons und ein Glas Sekt für 12,50 Euro. Gespielt werden Roulette, Black Jack, Poker und die Automaten, alles unter einem Dach, in das man sich bewusst aufmacht.

Dem Glanz sieht man die Geschichte nicht an. 1968 brannte das Innere des Palais fast vollständig aus, ein Jahr darauf eröffnete an gleicher Stelle die Spielbank, das Gebäude gehört bis heute der Familie Esterházy. Die heutigen Salons stammen größtenteils aus späteren Renovierungen.

Der Weg ins Casino kostet Zeit und verlangt einiges, vom Eintritt über die Anfahrt bis zum Ausweis an der Tür, dazu sitzt im Saal Personal, das mitbekommt, wenn jemand zu lange bleibt.

Ab November verlagert sich der Abend ins Kaffeehaus

Ist der Gastgarten zu, bleibt das Kaffeehaus. Die Wiener Melange ist in den Innenstadthäusern über die Jahre teurer geworden, das stundenlange Verweilen bleibt im Preis inbegriffen. Seit 2011 steht die Wiener Kaffeehauskultur im nationalen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes, beschrieben als Ort, an dem man Zeit und Raum verbringt und trotzdem nur den Kaffee bezahlt. Günstiger als eine Kinokarte mit Getränk ist das oft, solange es bei der Melange bleibt.

Die Tradition reicht bis ans Ende des 17. Jahrhunderts zurück. Das Kramersche Kaffeehaus am Graben legte 1720 als erstes Zeitungen auf, Frauen bekamen erst 1856 Zutritt, und aus einem Zusammenschluss der Häuser ging 1956 der Klub der Wiener Kaffeehausbesitzer hervor, der Jahrzehnte später den Antrag auf die Unesco-Liste einbrachte. Literaten, Emigranten und Zeitungsleser machten das Kaffeehaus im 19. und frühen 20. Jahrhundert zum Wohnzimmer der Stadt. Wer heute an einem Marmortischchen sitzt, kann Stunden mit einer einzigen Bestellung verbringen. Der Ober bringt den Kaffee und lässt den Gast in Ruhe.

Von 22. Oktober bis 3. November läuft die Viennale, das größte Filmfestival des Landes, in Häusern wie dem Gartenbaukino am Parkring, das seit 1973 als Hauptspielstätte dient. Gespielt wird auf fünf Sälen im ersten Bezirk, vom Stadtkino im Künstlerhaus bis zur Urania, und Ermäßigungen gibt es gegen Vorlage eines Ausweises. Den Rest des Jahres tragen die Programmkinos den Betrieb, das Votivkino und das Filmcasino zeigen, was die Multiplexe auslassen. Eine Karte kostet gut zehn Euro, dazu kommen die Getränke, oft ein Essen davor, und schon steht eine zweistellige Summe auf dem Zettel.

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